13 Monate Personalratskampagne:
                        „Die MHH - ein guter Arbeitgeber!?“

Von April 2017 bis Mai 2018 hat der Personalrat seine Kampagne „Die MHH - ein guter Arbeitgeber!?“ durchgeführt. In zahlreichen Aktionen, Veranstaltungen, Befragungen, Gesprächen und Personalversammlungen wurde der Frage auf den Grund gegangen. Die Meinung der Beschäftigten mit einzubeziehen war dem Personalrat in diesen dreizehn Monaten immer ein wichtiges Anliegen.


Am 12. Juni wurde im Rahmen einer Personalversammlung das Fazit dieser Aktivitäten gezogen.


Schwerpunkt 1

Arbeitsplatzsicherheit
Eine neue Dienstvereinbarung (DV) zum Betrieblichen Eingliederungsmanagement (BEM) wurde abgeschlossen.
Der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen ist weiterhin durch die DV „Die MHH auf dem Weg ins Jahr 2013“ gegeben.
Im Bereich Pflege konnten ab 2018 unbefristete Einstellungen durchgesetzt werden (Ausnahme: MHH-Schüler_innen mit einem Notenschnitt schlechter als Note 3).


Der Personalrat hat eine Liste mit über 200 langjährig befristet Beschäftigten vorgelegt, die jetzt Schritt für Schritt abgearbeitet werden soll. Erste Entfristungen wurden umgesetzt.
Im Forschungsbereich wurden generell längere Vertragslaufzeiten erreicht; ein Regelwerk mit festgeschriebenen Qualifizierungszeiträumen (Promotionen, Habil.) ist noch nicht fertiggestellt.

Schwerpunkt 2

Gute Arbeitsbedingungen

Dienstvereinbarungen zum Pflegeverstärkungsteam wurden für 2017 und 2018 abgeschlossen.
Die Verhandlungen zur DV „Betriebliches Gesundheitsmanagement“ sind weitgehend beendet.
Die Entwicklung von Ergonomiestandards (z.B. für Stühle, Tische …) konnte auf eine neue Grundlage gestellt werden.
Auf Grundlage einer Umfrage zum Thema „OP-Schuhe“ sollen jetzt die Beschaffungsmodalitäten verbessert werden.
Für die Umsetzung von Maßnahmen, die aus der Durchführung von Gefährdungsbeurteilungen psychischer Belastungen resultieren, wurde eine verbindliche Regelung getroffen.
Der Einsatz von Leiharbeitskräften bewegt sich auf einem konstanten Niveau; ein deutlicher Anstieg ist in der Pflege zu verzeichnen.

Schwerpunkt 3

Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben

Das Pflegeverstärkungsteam mit individuell wählbaren Arbeitszeiten wurde etabliert.
Die Dienstplanverlässlichkeit hat insgesamt zugenommen.
Ein Arbeitszeitkonto ist in einem Arbeitsbereich eingeführt, zwei weitere Pilotbereiche sollen jetzt diese Möglichkeit nutzen können.
Das Thema Überstunden, insbesondere im ärztlichen Bereich, wurde zwar vielfältig thematisiert, aber zufriedenstellende Regelungen zu Dokumentation und Anerkennung konnten bislang nicht gefunden werden.
Es gab eine Zunahme von Überlast-Meldeverfahren im ärztlichen Dienst.

Schwerpunkt 4

Partizipative Führung

Die Führungskräftequalifizierung wird seit 2017 wieder erfolgreich umgesetzt.
„Führung“ ist wieder mehr zum Thema geworden. Im Frühjahr 2018 haben Personalrat und Präsidium hierzu eine gemeinsame Erklärung verabschiedet, die bezeichnenderweise bislang nur vom Personalrat veröffentlicht wurde.
Die darin angesprochenen Themen „lebenslanges Lernen für Führungskräfte“ und „notwendiges Zeitkontingent für Führungsarbeit“ stehen bislang nur auf dem Papier.
Die darin ebenfalls verabredete Neukonzeptionierung der Mitarbeiter_innen-Gespräche entwickelt sich nur langsam voran.
Die Einführung von Konfliktlotsen als niedrigschwelliges dezentrales Tool zur Konfliktlösung konnte nicht umgesetzt werden.

 

 

Am Ende der Personalversammlung konnten die anwesenden Beschäftigten ihr Votum zur Frage „Die MHH - ein guter Arbeitgeber“ abgeben. Zur Belohnung gab‘s - gesponsert von Verdi - ein Würstchen: Schließlich ging es bei dieser Veranstaltung „um die Wurst“!

Fazit des Personalrats
Mit der Kampagne wurden viele Themen gesetzt. Einige Punkte konnten erfolgreich zum Ende gebracht werden, aber die meisten sind noch in Arbeit.
Der Personalrat kritisiert insbesondere die Langatmigkeit und Zähigkeit bei der Bearbeitung der aufgeworfenen Probleme. Hier braucht es dringend einen Kulturwandel.
Die MHH hat zweifellos das Zeug für einen guten Arbeitgeber, aber so bleibt noch viel Luft nach oben!

Einschätzung des Präsidiums
Überraschend unvorbereitet zeigen sich die anwesenden Präsidiumsmitglieder. Schließlich nahmen Frau Aulkemeyer und Herr Tecklenburg zu einigen angesprochenen Themen aus dem Stehgreif Stellung:

  • Bei den Dienstvereinbarungen wäre man gut vorangekommen, die Regelungen zum BGM seien fertig und auch beim Arbeitszeitkonto geht es voran.
  • Bei der Überstundenproblematik könne weiterhin nur das bearbeitet werden, was gemeldet wird und es fehle immer noch eine klare Definition von „angeordneten Überstunden“.
  • Die Führungskräftequalifizierung würde gut laufen.
  • Vielleicht gebe es zu viele Angebote an die Beschäftigten; weniger wäre evtl. mehr.
  • Bei den Befristungen wäre man deutlich besser geworden, 83% aller Landesmittelbeschäftigten hätten einen unbefristeten Vertrag.
  • Der gute Arbeitgeber zeige sich daran, dass 2/3 aller Mitarbei-ter_innen länger als 10 Jahre hier arbeiten; 15% sogar länger als 25 bzw. 40 Jahre.
  • Bei den Feiern zu den Dienstjubiläen würden sich 80% positiv über die MHH äußern; auch externe Gutachter hätten die MHH als positiven Arbeitgeber beschrieben.
  • PM 2 und die Pflegedienstleitung hätten mit dem Pflegeverstärkungsteam für Entlastung in dieser Berufsgruppe gesorgt. An dieser Stelle musste der Personalrat intervenieren und richtigstellen, dass er sich bis 2017 jahrelang als einziges Gremium für einen solchen Entlastungspool stark gemacht hatte.
  • In der Pflege würde jetzt unbefristet eingestellt.
  • Wenn etwas nicht gut läuft, würde es häufig an den Einschränkungen durch die Rechtsform „Landesbetrieb“ liegen.

Aus der Abschlußrede der Personalratsvorsitzende Jutta Ulrich:

 

"In der MHH höre ich immer wieder von der schlechten Stimmung. Das ist belastend. Für uns alle hier. Ich bin überzeugt, dass dieser Perso-nalrat die Beschäftigten mit aller Kraft vertritt. Die Kampagne allein konnte nicht genug Drive in die Umsetzung der Ziele bringen. Das hätte ich mir sehr gewünscht…
Es reicht eben nicht, ein bisschen besser zu sein als die anderen um uns herum. Wir hätten das Potential, der Leuchtturm der öffentlichen Arbeitgeber der Umgebung zu sein. Wir müssen das wollen.
Der Personalrat hat viel dazu beigetragen, dass die Themen der Kampagne auf dem Weg sind. Das ist unsere Aufgabe - wir treten für die Rechte der Beschäftigten ein. Auch wenn unsere Geduld mit diesem Arbeitgeber manchmal am Ende ist, geben wir nicht auf.
Haben Sie sich schon einmal vorgestellt, wie es ohne diesen Personalrat an der MHH wäre?"